"Bärilyn". Alles begann mit ihr.

7.200 Gummibärchen benötigte der Objektkünstler Johannes Cordes für das Konterfei von Marilyn Monroe in den Maßen 152 cm x 152 cm.


Naschen verboten! Kunst, nach der man sich die Finger leckt

 

Der Objektkünstler Johannes Cordes und die Gummibärchen

 

Tüte auf, Tüte leer. So geht es wohl vielen Gummibärchen-Liebhaber, liegt ihnen eine Packung der süßen, knallig-bunten Fruchtgummis vor. Auch der Künstler Johannes Cordes kann sich ihrer nicht erwehren. Allerdings nicht zum vernaschen stapeln sich die Gummibärentüten in seinem 250 Quadratmeter großen Atelier in Meppen an der Ems in Niedersachsen. Die Gelatinebären dienen als Material seiner Kunst und sind seit 2003 Markenzeichen des aus Norddeutschland stammenden Künstlers.

 

Der Objektkünstler Johannes Cordes in seinem Atelier. Hier entstehen die faszinierenden Gummibärchenbilder und andere Kunstwerke wie seine bekannten Objektkästen.


Da Johannes Cordes sich seit jeher für die Pop Art begeisterte, schlug er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Seine Liebe zum Fruchtgummi und zur Modernen, wuchsen zu einer einzigartigen Kunstgestaltung zusammen.  Ursprünglich als Gag gedacht, sind Johannes Cordes und die fruchtigen Süßigkeiten heute als Einheit zu sehen.

Aber nicht irgendein Gummibärchen kommt dem eloquenten Objektkünstler aus der Tüte und anschließend ins Bild. Es müssen die originalen Bären aus dem nordrhein-westfälischen Bonn am Rhein sein. Wer nun glaubt, Cordes würde von dem Unternehmen gesponsert, dem antwortet er: „Für die Ausstellung „100 Jahre Salvador Dali“ auf Schloss Bruchsal in Baden-Württemberg, an der ich 2004 als Nebenaussteller teilnehmen durfte und dort erstmals meine Collagen gezeigt wurden, bekam ich von der Firma Haribo einige Gummibärchen gesponsert. Auch bekam ich zu meiner Ausstellung in Frankfurt Unterstützung. Seitdem finanziere ich meine Bilder selbst.“ Ergänzend fügt er jedoch hinzu, dass er Dr. Hans Riegel, seinen Bruder und die Eltern, die Gründer des Unternehmens, als Auftragsarbeit porträtierte. Da liegt es natürlich nahe, auf den Showmaster und die Werbeikone Thomas Gottschalk anzusprechen. „Sein Porträt hat das Unternehmen käuflich erworben. Was Gottschalk dazu sagte, habe er bis heute nicht erfahren. Eigentlich schade, denn so weiß der ehemalige Moderator gar nicht, wie viel Arbeit in so einem Bild steckt. Das gleiche gilt auch für die Musiker-Legende Udo Lindenberg. „Obwohl ich persönlich eine Einladung zur Ausstellungseröffnung in Hamburg mit einer Fotografie seines Porträts an der Rezeption im Hamburger Hotel Atlantik abgegeben habe, kam nie eine Resonanz Lindenbergs.“ Sein „Bärchen-Konterfei“ beträgt gerahmt 1,31 Meter an 1,07 Meter. 2560 Gummibärchen hat Cordes dafür eingesetzt, und zirka 9000 Einfärbungen waren dafür nötig.

Je nach Arbeitsumfang, können bis zu 25000 Gummibärchen pro Bild gebraucht werden. Zu seinen ersten Fruchtgummi-Werken gehört das Porträt von Marylin Monroe, nachempfunden nach Andy Warhol, Mitbegründer und bedeutendster Vertreter der amerikanischen Pop Art. Johannes Cordes nennt sein Objekt liebevoll „Bärilyn“, die er gleich mehrmals mit dem Fruchtgummi umsetzte. Über 3200 Gummibärchen für eine kleine, und bis zu 8000 für eine große Bärilyn wurden präzise und Millimetergenau angeordnet.  So entstanden arbeits- und zeitaufwendige Collagen.

 

Deutsch Rock-Pop Legende Udo Lindenberg aus 2.560 Gummibärchen.

Maße: 107 cm x 132 cm. Titel: "Udo"


„Es hat Jahre gebraucht, bis ich alle Techniken drauf hatte“

Längst gehört der Name „Bärilyn“ zum Markenzeichen Cordes. Zu den zahlreichen Porträts gesellen sich außergewöhnliche Persönlichkeiten wie Amy Winehouse, Romy Schneider, Andy Warhol, John F. Kennedy, Salvador Dali, um nur einige zu nennen. Zu Zeit arbeitet Cordes unter anderem an einem überdimensionalen „David Bowie“. In den vergangenen zehn Jahren habe Cordes nach eigenen Angaben, Hunderttausende von Gummibären verwendet.

80 bis 300 Stunden benötigt der ursprüngliche Schriftsetzer für ein Objekt. Das ist Sisyphusarbeit. „Es ist nicht nur eine Geduldssache, sondern eine unheimliche Konzentrationsarbeit.“

Damit nicht genug. Da die klassischen Gummibärchen in nur sechs verschiedenen Farben vorkommen, bedient sich Cordes einer eigenen Methode, um weitere Farbnuancen zu erhalten: „Ich bearbeite die Gummibären mit speziellen Farbstiften oder mit Pinsel und Acrylfarben. Manche Bärchen erhalten bis zu zehn Farbauftragungen. Da das Fruchtgummi ein Lebensmittel ist, entwickelte Johannes Cordes auch hier eine spezielle Technik, um dieses zu konservieren um so die Gummibärencollagen haltbar zu machen.

 

"Micky", erstellt aus 3.200 Gummibärchen,  Maße: 110 cm x 110 cm.


„Lieber esse ich Schokolade. Gummibärchen sind für mich reines Arbeitsmaterial“

Objektarbeiten von Leonardo da Vinci über Tamara de Lempika bis Roy Lichtenstein oder Keith Haring werden nicht nur großartig interpretiert, sondern eigene, der Pop Art zugewandten Kreationen, setzen durch den Gebrauch dieses Konsumartikels das i-Tüpfelchen auf diese „süße“ Kunstform der anderen „ART.“

Angetan ist der Künstler von Mickey Mouse und Donald Duck, schon alleine ob der vielseitigen Gestaltung. Die Walt Disney Figuren zeichnet er nicht originalgetreu nach, sondern kreiert diese mit seiner eigenen persönlichen Note, wodurch sie einen anderen, legitimen Charakter erhalten.

Auf bestimmte Kunst-Epochen oder Personen will sich Cordes jedoch nicht festlegen: „Es gibt so viele großartige Künstler, dass ich keinen Favoriten habe. Denn jeder Einzelne ist einfach genial und faszinierend.“ Aber das nächste größere Projekt schwebt ihm schon vor: „Ein Konzertflügel, gestaltet aus den unterschiedlichsten Süßwaren, auf dem später, so der Wunsch des Künstlers, Pianisten Konzerte geben…“

Abgehoben ist der „Gummibärchen-Künstler“ nicht. Für Jedermann, der sich für diese und weitere Objekte interessiert, steht sein Meppener Atelier offen. So wie es auch seiner Art, seinem Charisma entspricht.

In Zukunft wird der Künstler Johannes Cordes wohl noch einige Gummibärchentüten öffnen, leeren, sortieren, lackieren, konservieren, um so nur die besten Bärchen für seine „süßen“  und außergewöhnlichen Kunstwerke zu nutzen.

Tüte auf, Tüte leer. Hier hat der Satz auf einmal eine ganz andere Bedeutung.

 

"VW-KÄFER", 110 cm x 110 cm, 7.350 Gummibärchen.



AUSSERDEM:

Die Objektkästen von Johannes Cordes sollten an dieser Stelle ebenfalls Ihre Beachtung finden. Skurril, witzig und scharfsinning sind diese 40 cm x 40 cm vom Künstler signierte Kästen.

Wir zeigen drei Beispiele:

 


...bindet Dir den Bären auf"
 









"Maßstäbe setzen"


(Wo ist das Gummibärchen?) / Anm. der Redaktion.







"Nichts geht mehr"









INFO + KONTAKT: www.das-atelier-cordes.de


Text: Simone Brockes, www.presseagentur-brockes.de

Fotos: Atelier Johannes Cordes, www.das-atelier-cordes.de