Auf nach Belgien...  

...hin an die Westküste Flanderns 

 

Oostende – wie es euch gefällt

Ihr herb-schönes Gesicht erschließt sich dem Besucher meist erst auf dem zweiten Blick. Die an Geschichte reiche Hafenstadt gehört zu  den Orten, die zeitweise zu Bedeutungslosigkeit herab sank. Dabei galt die flämische Stadt einst als die „feinste Badewanne“ der Belle Époque, die die Crème de la Crème des europäischen und russischen Adel anzog. Tagsüber flanierten elegant gekleidete Damen durch die  königlichen Kolonaden, weiter über den breiten Seeboulevard, vorbei an herrschaftlichen Jugendstilvillen wie der „Villa Simone“ oder „Villa Maritza“, die heute – lieblos eingequetscht zwischen phantasielosen Wohnkomplexen - ein bisschen hilflos wirken. Abends luden fesche Offiziere zum Tanz ins Casino, in dem sich heute unter anderem das exquisite Feinschmeckerrestaurant  „Ostend Queen“ befindet. Neben kulinarischen Gaumenfreuden der Extraklasse genießt man von hier oben einen sensationellen Blick auf die Nordsee und den Boulevard von Oostende. Einen Sonnenuntergang von der Dachterrasse aus zu erleben ist ein einmaliges Spektakel.

Das wohl mondänste Haus am Platz, damals wie heute, ist das langgestreckte „Thermae-Palace-Hotel.“ Zusammen mit den französischen Architekten Flegenheimer, Bard und Garella entwarf der Oostender Architekt Daniels im Jahre 1929 die Pläne für den Bau des „Palais des Thermes.“ Dieses späte Erbe Königs Leopold II. wurde 1933 errichtet. Das Schwimmbad und dieThermalanlage strahlten pures Art déco aus. Die Wände der Quelle waren mit allegorischen Fresken dekoriert. Das salzige Wasser der Quelle wurde für verschiedene Kuren benutzt. Nachdem die Thermalanlage geschlossen wurde, beabsichtigte man für kurze Zeit das Gebäude abzureißen, bevor es schließlich zum heutigen Viersternehotel umgestaltet wurde. Der Zahn der Zeit und die salzhaltige Luft hinterlassen allerdings ihre Spuren am einstigen Prachtbau. Eine Renovierung ist für die nahe Zukunft vorgesehen. Auch wenn es an manchen Stellen bröckelt, so ist ein Übernachtungsbesuch in diesem Ambiente lohnenswert. Vorausgesetzt man mag es bei der „Wellenmusik“ der Nordsee einzuschlafen. Dann am besten bei offenem Fenster mit direkten Blick aufs Wasser.

Das Füttern der Möwen ist an der kompletten Küste verboten. Wer es trotzdem tut, muss mit einem Bußgeld bis zu 250 Euro rechnen. 

 

Die Bausünden aus den 1960ger und 1970ger Jahren sind leider allgegenwärtig. Schnell hochgezogene Appartementblöcke ließen in den „Wirtschaftswunderjahren“ kaum Raum für architektonisches Feingefühl. Dafür entschädigen feine Sandstrände, die kostenlos nutzbar sind. Davon machen jährlich rund zweieinhalb Millionen Touristen Gebrauch. In der Hochsaison kann es an der insgesamt 67 kilometerlangen Küste  dann schon einmal eng werden. Die gesunde jodhaltige Luft gibt’s gratis dazu, da es keine Kurtaxe gibt.

Seit jeher beliebt sind die „Billekarren“, Kettcars, die bis zu acht Personen Platz bieten. An jeder Ecke können diese flinken Flitzer stundenweise gemietet werden, um damit den breiten „Zeedijk“, den Seeboulevard, rauf und runter zu fahren.

Für Shopping Begeisterte hat die rund 70.000 Einwohnerstadt ebenfalls einiges zu bieten. Ob chice Schuhe oder Markenklamotten, ob Antiquitäten oder modernes Wohndesign, zwischen dem Hauptbahnhof, der direkt am Zentrum liegt und dem Strandboulevard wird es einem leicht gemacht Geld auszugeben. Auch sonntags. Dazwischen laden überall hübsche Cafés, gemütliche Bistros und feine Restaurants zum Verweilen ein. Immerhin gilt Oostende als „kulinarische Hauptstadt am Meer.“ Aber auch allgemein gelten die Belgier als ein gemütliches Völkchen, das es versteht das Leben zu genießen. Wußten Sie, dass es in Belgien über 1000 Biersorten gibt? Um diese alle zu probieren, bräuchte man drei Jahre! Unter den Hopfengetränken finden sich auch für uns eher ungewohnten Sorten, wie beispielsweise Fruchtbier aus Kirschen oder Bier, dass in Sektflaschen ausgeschenkt wird. Aber zurück nach Oostende. Lohnenswert ist ein Besuch der Sankt-Petrus-und-Pauluskirche, erbaut im neogotischen Stil zwischen 1899 und 1905. Gerne wird sie auch die „Notre Dame“ von Oostende genannt.

Der ebenfalls sehenswerte Yachthafen liegt direkt gegenüber vom Hauptbahnhof, der momentan restauriert wird.

Die Strandpromenade von Oostende lädt zum flanieren ein. 

 

Beaufort 04: Kunst am Meer

Der Küstenstrich wartete 2012 noch mit einem ganz besonderen Highlight auf. Zum vierten Mal fand die BEAUFORT statt. Sie ist die Triennale für Gegenwartskunst. Mittlerweile ist sie zu einer erfolgreichen kulturellen Veranstaltung herangewachsen, die man auf keinen Fall verpassen sollte. Monumentale Installationen und intrigierende Kunstwerke, verteilt zwischen De Panne an der französischen Grenze bis Knokke an der niederländischen Grenze, lassen die Küsten- und Kunstbesucher an einer fantasiereichen und imaginären Welt teilnehmen. Bis zum 30. September verwandelte sich die flämische Küste in ein einzigartiges kostenloses Freilichtmuseum.  

 

 

 

 

 

"ONLETOP"  von Nick Ervinck, Belgien 

 

Kunstliebhaber aus ganz Europa zog es zu dieser Triennale.

Unter der Leitung von Konservator Philipp Van den Bossche und Intendant Jan Moeyaert, traf eine Kunstkommission eine gut durchdachte und breit gefächerte Auswahl von europäischen Gegenwartskünstlern für die Beaufort 04. Insgesamt nahmen 28 Künstler an der Triennale teil.

 

Das Werk "I CAN HEAR YOU" von Ivars Drulle aus Lettland. 

 

 

Teilnehmende Künstler der BEAUFORT 04 waren: 

Magdalena Abakanowicz (Polen) /Norbert Francis Attard (Malta) / Marco Casagrande (Finnland) / Gregory &Cyril Chapuisat (Schweiz) / Melita Couta (Zypern) / Folkert De Jong (Niederlande)/ Ivars Drulle (Lettland) / Nick Ervinck (Belgien) / Martine Feipel & Jean Bechameil (Luxemburg/Frankreich) / Collectie FRAC Nord-Pas de Calais (Frankreich)/ Michal Gabriel (Tschechien) / Adrian Ghenie (Rumänien) / Dalila Goncalves (Portugal)/ Paolo Grassino (Italien) / Jeppe Hein (Dänemark) / Michael Johansson (Schweden) / Flo Kasearu (Estland) / Zilvinas Kempinas (Litauen) / Jannis Kounellis (Griechenland) / Lucy McKenzie & Kunstenaarscollectief (England)/ Heike Mutter & Ulrich Genth (Deutschland) / Hans Op de Beeck (Belgien) /Jaume Plensa (Spanien) / Arne Quinze (Belgien) / Nedko Solakov (Bulgarien) / Stefan Sous (Deutschland) / Erwin Wurm (Österreich)

 

Zu Besuch in DE PANNE... 

 

Hier lohnt es sich das architektonisch wertvolle und denkmalgeschützte Dumont-Viertel anzuschauen. Es erinnert an den typischen Cottage-Stil, der hier regionale Merkmale, wie die Backsteinarchitektur, gekennzeichnet wird. Das Viertel gibt einen Eindruck vom Übernachtungstourismus des 19. und 20. Jahrhunderts. Das kleine Viertel entstand zwischen 1892 und 1913 unter der Leitung der Architekten Albert Dumont, Georges Hobé und Jozef Viérin.

 

 

...und in DE HAAN

Ein authentisches und malerisches Seebad mit Villen im normannischen Cottage-Stil. Hier holt einen die Belle Époque-Zeit mit ihren denkmalgeschützten Art-Deco-Häusern ein. Am Zeedijk, der beliebten Strandpromenade mit seinen zahlreichen Cafés, Bistros und Restaurants, ist der Ort dementsprechend gesellig und quirlig. Das nostalgische Flair entfaltet sich in den gewundenen Alleen zwischen den Dünen, wo die Gärten und Villen zu einer ruhigen Parklandschaft verschmelzen.

Die Straßenbahnlinie fährt alle 15 Minuten in beide Richtungen. Entspannter lässt sich die flämische Nordseeküste kaum bereisen und entdecken. Ein Tagesticket für Erwachsene kostet 5 Euro, eine Dreitageskarte 10 Euro und eine Fünftageskarte 15 Euro.

(Stand: Sommer 2013). 

 

INFORMATIONEN:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

www.flandern.com  

 

ANREISE: 

Mit dem Auto:Oostende ist angebunden an die  Autobahnen A 10 und A 18.

Mit der Bahn:  Bis Brüssel. Weiterfahrt über Gent, Brügge bis Hauptbahnhof Oostende. Er liegt direkt im Zentrum. Täglich internationale Bahnverbindungen.
Mit dem Flugzeug: IFlughafen Luchthaven Oostende.
Mit der Fähre: Fährverbindungen nach Großbritannien.

 

 

 

BUCHTIPPS:

 

 

Flandern: Belgiens Schokoladenseite

Der benutzerfreundliche Polyglott mit innovativem Tourenkonzept bringt Sie zu den schönsten Reisezielen in Flandern. Der Reiseführer enthält zusätzlich zu nützlichen Informationen und interessanten Hintergründen zahlreiche Rundreisen, Mehrtagestouren und Ausflüge. Entdecken Sie das abwechslungsreiche Flandern. Sie können durch das UNESCO-Weltkulturerbe Brügge spazieren, oder sich von der lebendigen Hafenstadt Antwerpen begeistern lassen. Entdecken Sie die Weltstadt Brüssel und das geschichtsträchtige Leuven. Zu Land oder auf dem Wasser lassen sich die überwältigen grünen Landschaften der verschiedenen flämischen Regionen erkunden. Besuchen Sie Klosterbrauereien und schauen Sie traditionellen Chocolatiers über die Schulter. Der Charme Flanderns wird auch Sie verzaubern. Mit dem Polyglott on tour Flandern wird Ihre Reise garantiert zum Erfolg.

 

Autor: Beate Kirchner

Titel: Flandern: Polyglott on tour mit Flipmap

Verlag: Polyglott

144 Seiten, Taschenbuch

Preis: 11,99 Euro, ISBN: 978-8466-0008-1

 

 

 

Wo Rubens Tim und Struppi trifft

Willkommen bei den Flamen, deren Nationalheilige Eddie Merckx und der Schöpfer von Tim und Struppi sind, deren Hauptstadt auch die Hauptstadt Europas ist und deren Land eine einzige Kombination aus Kunst, Genuss und gelebter Geschichte ist.

Die Flamen, das sind überzeugte Weltbürger und geborene Gastgeber. Siggi Weidemann steckt uns an mit seiner Liebe zu Flandern, einst reichstes Land Europas, wo sich französische Lebensart und flämischer Geschäftssinn ideal vereinen, das beschwingt, barock und fröhlich daherkommt – kurz: mediterran. Er nimmt uns mit in die Schaltstelle Europas, nach Brüssel, die Mode-, Art-nouveau- und Comicstadt, und zu den drei schönen Schwestern Brügge, Gent und Antwerpen; zu den Seebädern der Belle Époque an die Nordseeküste und zum Arkadien von Pieter Brueghel; in die Heimat der Beethovens und von Hieronymus Bosch. Er geht der Wirkung des Trappistenbiers, dem Sprachenstreit und dem langen Ringen der Flamen um Identität nach. Und er zeigt uns das größte Dia­mantenzentrum der Welt.  

"Gebrauchsanweisung für Brüssel und Flandern" von Siggi Weidemann ist ein praktischer und toller Reisebegleiter.

 

 

Autor: Siggi Weidemann 

Titel: Gebrauchsanweisung für Brüssel und Flandern

Verlag: Piper

195 Seiten

Preis:12,90 Euro, ISBN: 978-3-492-27565-1 

 

 

 Blick vom Thermae-Palace-Hotel über den Strand und Boulevard  in Oostende. 

 

Texte + Fotos: © Simone Brockes

www.presseagentur-brockes.de

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