Kulinarisch und kulturell unterwegs an der flämischen Küste
 
Zwischen Knokke zur niederländischen- und De Panne zur französischen Grenze, liegen rund 67 Kilometer feinster Sandstrand. Kulinarisch eint diese Region seit jeher fangfrischer Fisch.
 
Belgien, das kleine Beneluxland, ist für seine gute Küche bekannt. Besonders die flämische Küste wartet mit Spezialitäten aus dem Meer auf. Gleich acht Sternerestaurants verwöhnen mit lukulischen Angeboten. Daneben die zahlreichen Bistros und Brasserien, in denen sich die Geschmacksnerven hervorragend verwöhnen lassen.

Nicht nur das die gesunde Nordseeluft Appetit macht - wer einmal dort war, weiß, dass er als Fisch-und Krustentiergenießer auf seine Kosten kommt.
In diesem Jahr - und bis Ende September 2014 - werden die Besucher kulinarisch besonders verwöhnt. In Oostende, der Stadt am Meer, werden bekannte und seltene maritime Köstlichkeiten des Meeres angeboten. Von der handgemachten Krabbenkrokette über die Oostender Auster "l' Ostendaise", bis hin zu der typischen regionalen Spezialität "sole á l' ostendaise", den bekannten Seezungenfilets.

 

Fischer fordern die Oostendischen Küchenchefs heraus
"A l' ostendaise" ist eine Zusammenarbeit zwischen Oostender Fischern und Küchenchefs. Fischerei und Handwerk spielen in diesem Projekt die zentrale Rolle. Während der kommenden 14 Monate fordern Fischer die Chefköche immer wieder aufs Neue heraus, mit dem Fisch des Monats ein kreatives Gericht zu kreieren. Darunter fallen auch weniger bekannte Fischarten wie Franzosendorsch, Pollack oder Katzenhai. Gäste erhalten so die Möglichkeit neben Krabben und Seezunge auch nicht alltägliche Fischsorten kennenzulernen. Um die 40 verschiedenen Arten Fisch gibt es in der Region. Einige davon waren bereits in Vergessenheit geraten, bevor Köche sie nun zurück auf ihre Speisekarten der regionalen Küche setzten.
 
Fische des Monats bis September 2014:

  • Januar: Franzosendorsch, Pfeilkalmar
  • Februar: Roter Knurrhahn, großer Katzenhai
  • März: Jakobsmuschel, Leng
  • April: Seezunge, Pollack
  • Mai: Seewolf, Rotbarbe
  • Juni: Kaisergranate, Tintenfisch
  • Juli: Seeteufel, Kliesche (Scharbe)
  • August: Rotzunge, Seebarsch
  • September: graue Garnele, Kabeljau

Mit dem Fischer an einem Tisch 

Bis September 2014 haben Feinschmecker und Genießer die Möglichkeit, Fischer bei ihrer Arbeit auf See zu begleiten. An Bord erfahren die Gäste, wie vor Ort der Fisch weiterverarbeitet wird, bis er noch am selben Tag fangfrisch in den Küchen der jeweiligen Restaurants angeliefert wird.

Natürlich darf der eigene Fang mit nach Hause genommen werden. Oder man setzt sich mit Fischern gemeinsam an den Tisch in einen der verschiedenen Oostender Restaurants und lässt sich aus dem fesselnden und spannenden Leben auf dem Meer erzählen. Wie mit Danny Huyghebaert. 25 Jahre verbrachte er auf See. Für ihn ist das Meer Freund und Feind gleichermaßen. "Als Fischer weiß man immer, wann man ausfährt, aber nie, wann und ob man zurückkommt", erzählt Danny. Und doch möchte er für kein Geld der Welt einen anderen Beruf ausüben. "Das Abenteuer auf See, die Kameradschaft an Bord, das Glücksgefühl mit einem erfolgreichen Fang zurückzukommen - für mich gibt es nichts schöneres." Sein kulinarischer Tipp: "Seezunge und Scholle im Sommer, Garnelen, Kabeljau und Wittling im Winter." Fischer Danny Huyghebaert ist heute Projektkoordinator bei der Stiftung für nachhaltige Fischereientwicklung.

 

Die Pferdefischer von Oostduinkerke

Sie gehören einer aussterbenden Zunft an. Früher traf man die Krabbenfischer zu Pferde in Südengland, in Nordfrankreich und den Niederlanden an. Heute gibt es nur noch zwölf von ihnen an der flämischen Küste von Oostduinkerke. Einer davon ist  Eddy d' Hulster. In einem Zeitraum von zwei Stunden bei Ebbe, reitet er mit seinem Brabanter Kaltblutpferd Björn ins Meer.

Die Arbeit der Krabbenfischer ist hart. Auch für die sanften Kaltblüter-Pferde, die riesige Netze hinter sich herziehen, mit denen die Krabben gefischt werden. Bei stürmischen Wetter und tosender Brandung ist die Krabbenfischerei doppelt anstrengend.  

 

Eddy und seine Kollegen sind schon von weitem zu erkennen: In gelben Öljacken und Südwester (wasserdichte Kopfbedeckung) gehüllt und mit Gummistiefeln an den Füßen, sitzen sie hoch zu Roß auf einem Holzsattel. Hinter sich ziehen die robusten und gutmütigen Kaltblüter riesige Krabbenfangnetze durch die Brandung der Nordsee.  Von April bis Juni, und von September bis November. Bei strahlendem Sonnenschein wie im peitschenden Regen. Eine Knochenarbeit für Mensch und Tier, die immer weniger ertragreich ist. Sind die Netze gefüllt, verlassen die reitenden Fischer das Wasser, um ihren Fang in die beiderseits der Flanken ihrer Pferde befestigten Weidekörbe umzufüllen. Nach getaner Arbeit werden die Krabbenkörbe auf Anhänger verladen, die ebenfalls von den Pferden gezogen werden. Nachdem die Fischer zu Hause angekommen sind, werden die Krabben gekocht und zum Verkauf angeboten.

 

Maritime Wanderung durch die alten Fischauktionshallen 

Ein Spaziergang der besonderen Art ist der Besuch der Fischversteigerungshallen. Das kostenlose Fährboot "Het Veer" liegt am Ostufer, unmittelbar in der Nähe des Hauptbahnhofes, und bringt die Besucher im Minutentakt auf die kleine Insel. Die Fischauktionshallen warten noch mit einem fotografischen Höhepunkt auf: Hebt man den Blick gegen die Hallendecke, werden großformatige, schwarz-weiß Fotos sichtbar. Es sind Portraits von ganz besonderen Oostender Fischern, die der bekannte belgische Fotograf Stephan Vanfleteren in höchst ästhetischer Form erstellte.

Weiter geht die maritime Wanderung am Kai entlang. Hier legen die Fischerboote an, um ihren Fang in die Hallen zu schaffen.  

Ein weiterer Höhepunkt ist der Besuch des Fort Napoleon. 1810 ließ Napoleon dieses Fort bauen. Erst beim Sturz seines Kaiserreichs im Jahre 1814 wurde der letzte Stein gelegt. Das fünfseitige Gebäude aus Ziegelstein wird von einem 10 Meter breiten Graben und einer 8 Meter hohen Stützmauer umgeben. Das Fort hat nie Verteidigungscharakter gehabt. Im Ersten Weltkrieg diente es als Speiseraum für deutsche Offiziere. Danach fungierte es als Museum und als städtischer Spielplatz. Ab den 1950er Jahren verfiel das Fort allmählich, bis es 1995 der Stichting Vlaams Erfgoed in Erbpacht gegeben wurde. Das Fort Napoleon wurde restauriert und ist seit 2000 ein Museum.

Für diese Rundwanderung sollten zwei Stunden eingeplant werden. 

 

 

Die Skulpturen "Rock Strangers" von Arne Quinze, gaben Oostende ein neues Gesicht. Sie beweisen aber auch, dass Kunst in der "Stadt am Meer" groß geschrieben wird.   

 

Appetit auf Kunst?

"A l' Ostendaise" ist eine kulinarische und stimmungsvolle (Feinschmecker)Sommer-Veranstaltung. Prall gefüllt mit Unterhaltung, Kochvorführungen und Musik.

Und für den Kunsthunger gibt es die Skulpturen, die im Rahmen der Beaufort 04 im Sommer 2012 an der belgischen Küsten nach wie vor zu besichtigen sind. Geradezu ideal, eine Reise oder einen Wochenendtrip an den flämischen Nordseestreifen zu unternehmen.

  In Oostende vereinen sich Kunst, Kultur und Meeresrauschen auf ganz besondere Art. 

 

Küste, Strand und Dünen

Natürlich kann man in Oostende - der Stadt am Meer - auch einen herrlichen (Strand)-Urlaub verbringen, wie an der ganzen flämischen Nordseeküste.

Ein 67 Kilometer langer Sandstrand erstreckt sich zwischen den Grenzen zu Frankreich im Westen und den Niederlande im Osten. 13 tolle Seebäder und bis zu 700 Meter breite, durchgehend flache Sandstrände, bieten Spaß, Sport und Spiel für jung und alt. Die einzigartige Küstenstraßenbahn, stellenweise mit spektakulärem Blick aufs Meer, macht Station an 70 Haltestellen. Ob zum Strand oder ins Museum – die, Kusttram‘ verbindet bequem alle Highlights zwischen

 

  • Oostende, die Stadt für Küstengourmets
  • Knokke-Heist, der mondänste Badeort an der flämischen Küste
  • Zeebrügge, der Badeort für die ganze Familie
  • Blankenberge, Badeort mit Flair
  • Wenduine, die grüne und ruhige Oase
  • De Haan, das authentische und malerische Seebad
  • Bredene, wo Küsten, Strand und Dünen eine harmonische Einheit bilden
  • Middelkerke, bekannt  für sein berühmtes Spielcasino
  • Westende, für erholsame Ferien am Meer
  • Nieuwpoort, die Stadt der Gegensätze
  • Oostduinkerke, hier kann man den Krabbenfischern mit ihren Kaltblütern bei der Arbeit zusehen 
  • Koksijde, die Blumenstadt am Meer
  • De Panne, bekannt für dier weitläufigen Dünenreservate und dem breitesten Strand an der flämischen Küste

 

 

INFORMATIONEN:

 

"A l'ostendaise" ist eine Initiative von Toerisme Oostende vzw in Zusammenarbeit mit SDVO (Stiftung für nachhaltige Fischereientwicklung) und mit Unterstützung des Europäischen Fischereifonds, des flämischen Staats und der Provinz Westflanderns.

 

  • Bis einschl. 30. September 2014 steht das gastronomische Progranm "A l' Osdendaise" auf der Speisekarte

 

  • Mit dem Fischer auf See / Abfahrten: An Wochenenden, an Feiertagen und auf Anfrage. Reservierung erforderlich: info@franlis.be
  • Mit dem Fischer am Tisch: Jeden ersten Freitag eines Monats mit Fischern gemeinsam essen. Platzreservierung unter: www.ostendaise.be

 

Weitere Auskünfte erteilen:

 

Toerisme Oostende vzw

Monacoplein 2  

8400 Oostende

info@visitoostende.be

www.visitoostende.be

 

Krabbenfischer Oostduinkerke:

Dienst ToerismeKoksijde-Oostduinkerke 

Zeelaan 30

8670 Koksijde 

www.koksijde.be

 

 

Unser Ausflugstipp:

Der Hafen von  Zeebrügge

Auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär. Aber es gibt dort gleich zwei Highlights:

Faszinierend ist wohl das 100 Meter lange russische U-Boot "Foxtrot" aus dem Jahre 1960. Der Besucher erlebt am eigenen Leib wie bedrückend eng es für die 75 Besatzungsmitglieder gewesen sein muss. Oft blieben sie monatelang in diesem stähleren Koloss. Das U-Boot ist noch komplett eingerichtet. Einige Fotos zeigen die Reise von Sankt Peterburg nach Zeebrügge. Es ist Belgiens einziges U-Boot.

Das zweite Highlight liegt direkt vor der "Foxtrot": Das Feuerschiff  "West-Hinder" aus dem Jahr 1950. Auch dieses Schiff ist heute ein einladendes Museum, dass das Leben an Bord anschaulich demonstriert.

Nach diesem maritimen Ausflug in die Vergangenheit, ist es an der Zeit an das leibliche Wohl zu denken. Auf dem selben Gelände befindet sich knapp 100 Meter entfernt das urige kleine Hafenlokal "t ' Werftje." Hier verbringen nicht nur die Hafenarbeiter ihre Mittagspause, auch die Ausflügler und Touristen wissen diese etwas unscheinbar wirkende Kneipe zu schätzen. Denn hier gibt's die leckeren selbstgemachten Garnelenkroketten, die man unbedingt probiert haben sollte. Einmal auf den Geschmack gekommen, möchte man gar nichts anderes mehr essen. Gerne läßt  Chefin Herlinde einen Blick in die kleine Küche zu. Das Rezept jedoch ist streng geheim und wird nicht verraten. 

 

 

Texte + Fotos: © Simone Brockes 

www.simone-brockes.de 

 

BUCHTIPPS:
                                 

Fischers Fritze fischt frische Fische -  oder welche Gründe gibt´s noch, um Fisch zu essen?

Wie krieg ich die Gräten aus dem Fisch, was passt zu Forelle, welchen Fisch darf ich grillen? Endlich gibt es kurze und gute Antworten auf die wichtigsten Basic-Fragen rund um Fisch und Meeresfrüchte.     Dazu 100 feine, schnelle und einfache Rezepte, die auch Anfängerherzen höher schlagen lassen: Weil nichts schief gehen kann, weil es Eindruck macht, weil es so lecker nur zu Hause schmeckt!Und  warum das Ganze? Freitagstradition, frische Forelle an der Angel, Jodhaushalt, Urlaubsstimmung oder Katerkiller  - das sind nur 5 von 17 guten Gründen, mal wieder Fisch zu essen. Alles zu finden im neuen, leuchtend blauen Fish Basics.

 

Autoren: Cornelia Schinharl, Sebastian Dickhaut

Titel: Fish Basics / Alles, was schwimmt und was man damit machen kann

Verlag: Gräfe und Unzer

144 Seiten, 150 Farbfotos, Klappenbroschur

Preis: 15,00 Euro, ISBN: 978-3-8338-0077-1

   

 
Flandern: Belgiens Schokoladenseite

Der benutzerfreundliche Polyglott mit innovativem Tourenkonzept bringt Sie zu den schönsten Reisezielen in Flandern. Der Reiseführer enthält zusätzlich zu nützlichen Informationen und interessanten Hintergründen zahlreiche Rundreisen, Mehrtagestouren und Ausflüge. Entdecken Sie das abwechslungsreiche Flandern. Sie können durch das UNESCO-Weltkulturerbe Brügge spazieren, oder sich von der lebendigen Hafenstadt Antwerpen begeistern lassen. Entdecken Sie die Weltstadt Brüssel und das geschichtsträchtige Leuven. Zu Land oder auf dem Wasser lassen sich die überwältigen grünen Landschaften der verschiedenen flämischen Regionen erkunden. Besuchen Sie Klosterbrauereien und schauen Sie traditionellen Chocolatiers über die Schulter. Der Charme Flanderns wird auch Sie verzaubern. Mit dem Polyglott on tour Flandern wird Ihre Reise garantiert zum Erfolg.

 

Autor: Beate Kirchner

Titel: Flandern: Polyglott on tour mit Flipmap

Verlag: Polyglott

144 Seiten, Taschenbuch

Preis: 11,99 Euro, ISBN: 978-8466-0008-1

 

 

 

Wo Rubens Tim und Struppi trifft

Willkommen bei den Flamen, deren Nationalheilige Eddie Merckx und der Schöpfer von Tim und Struppi sind, deren Hauptstadt auch die Hauptstadt Europas ist und deren Land eine einzige Kombination aus Kunst, Genuss und gelebter Geschichte ist.

Die Flamen, das sind überzeugte Weltbürger und geborene Gastgeber. Siggi Weidemann steckt uns an mit seiner Liebe zu Flandern, einst reichstes Land Europas, wo sich französische Lebensart und flämischer Geschäftssinn ideal vereinen, das beschwingt, barock und fröhlich daherkommt – kurz: mediterran. Er nimmt uns mit in die Schaltstelle Europas, nach Brüssel, die Mode-, Art-nouveau- und Comicstadt, und zu den drei schönen Schwestern Brügge, Gent und Antwerpen; zu den Seebädern der Belle Époque an die Nordseeküste und zum Arkadien von Pieter Brueghel; in die Heimat der Beethovens und von Hieronymus Bosch. Er geht der Wirkung des Trappistenbiers, dem Sprachenstreit und dem langen Ringen der Flamen um Identität nach. Und er zeigt uns das größte Dia­mantenzentrum der Welt.  

"Gebrauchsanweisung für Brüssel und Flandern" von Siggi Weidemann ist ein toller Reisebegleiter.

 

Autor: Siggi Weidemann 

Titel: Gebrauchsanweisung für Brüssel und Flandern

Verlag: Piper

195 Seiten

Preis:12,90 Euro, ISBN: 978-3-492-27565-1