Romantiktour in die Niederlande

Giethoorn: Ein Wasserdorf wie aus einem Märchen

 

Lange, flache Kähne – die sogenannten Pünter - durchziehen fast lautlos die schmalen Grachten und dienen der Bevölkerung als Fahrzeug und Lastenträger. Besucher und Einheimische parken ihre Autos am Dorfrand, denn Straßen gibt es nicht im beschaulich romantischen Giethoorn.  

 

Bis heute befahren die Einheimischen von Giethoorn die kleinen Kanäle und Grachten mit ihren langgezogenen Booten. 

 

Nordöstlich, oberhalb der niederländischen Hauptstadt  Amsterdam, liegt im Gebiet von Overijssel das kleine Wasserdorf, umgeben von dem wasserreichen Naturschutzgebiet „De Weerribben Wieden.“ Zwischen den niederländischen Provinzen Drenthe und Friesland liegt Giethoorn eingebettet in einem Tiefmoorgebiet.

Die mit Reet gedeckten Häuser aus dem 18. und 19.Jahrhundert, stehen auf mit Brücken verbundenen Inseln. Etwa 150 solcher Holzwasserbrücken, die über zahlreiche schmalen Grachten führen, geben Giethoorn sein unverwechselbares Gesicht und prägen auf diese Weise die Einzigartigkeit des rund 2500 Seelendorf, das gerade einmal sieben Kilometer lang und zwei Kilometer breit ist. Dieses Gesamtbild verhalf Giethoorn auch zu dem Beinmanen „Vendig der Niederlande. “Nicht wenige sprechen auch vom „niederländischen Spreewald“, das wohl noch eher zutreffen mag. Dennoch werden solche Vergleiche dem Wasserdorf Giethoorn nicht gerecht. Es kann für sich alleine stehen und braucht Assoziationen dieser Art nicht. 

„Einfach märchenhaft“, hört man die viele Besucher regelmäßig sagen. Jährlich strömen mehr als eine Million Tagestouristen in das kleine Dörfchen. Im Sommer sind an den Wochenenden die vor Ort gelegenen Parkplätze vollgeparkt mit Autos und Reisebussen. Wer das ruhige, beschauliche Giethoorn erleben möchte, sollte an einem Wochentag kommen. Dann ist man mit den Einheimischen fast ganz alleine und kann so die Idylle in vollen Zügen genießen.

Die schmucken Bauernhäuser stehen jeweils auf ihrer eigenen Insel und sind nur per Boot oder über eine kleine Brücke erreichbar. 

 

Die Geschichte von Giethoorn

Die ersten Einwanderer gab es wohl bereits im 13.Jahrhundert. Diese fanden große Mengen von Hörnern wilder Ziegen. Wahrscheinlich ertranken die Tiere während der St. Elisabethflut im Jahre 1170. Daraus erstand der erste Ortsname „Geythenhoren“, was so viel wie Ziegenhörner bedeutet. Später entstand daraus „Geythorn“, bis es den heutigen Namen Giethoorn erhielt.

In der Vergangenheit lebten die Einwohner vom Torfabbau. Die gestochene Substanz, die aus Restwasser und Mineralien besteht, wurde mit langen Kähnen durch die Wasserstraßen abtransportiert. Bootsmotoren gab es noch keine. Und da die Kanäle nicht tiefer als 90 Zentimeter waren und immer noch sind -und die umliegenden Seen nicht mehr als 1,20 Meter Tiefe erreichen, bewegten die Torfstecher ihre Boote mit einem Stechhaken fort. Diese Stechkähne, auch Pünte genannt, sind bis heute das wichtigste Fortbewegungsmittel in Giethoorn. Daneben gibt es die sogenannten „Flüsterboote“, die einfach zu bedienen sind und mit umweltschonenden flüsterstillen Elektromotoren betrieben werden. Für die Giethoorner wäre ein Leben ohne diese Flüsterboote undenkbar: „Auf ihnen transportieren wir alles, was wir zum Leben benötigen“, erklärt uns Nick Altena, der in den Sommermonaten Touristen auf seinem  Rundfahrtschiff, mit Platz für bis zu 50 Personen, durch die kleinen Grachten und dem sich angliedernden See schippert. Der 54-Jährige Bootsführer und Familienvater kann davon allein aber nicht leben. „Im Herbst und Winter, wenn hier gar die Grachten und Seen zugefroren sind und keine Touristen kommen, müssen wir einer anderen Arbeit nachgehen.“  Wie Nick ergeht es rund weiteren 60 Bootsvermietern, die zwischen Frühjahr und Herbst an die 450 Flüsterboote zum Verleih anbieten. Nach einer kurzen Einweisung darf hier jeder, der mag, für eine Stunde ab 15 Euro zum Freizeitkapitän werden. Die Fahrt in einem der größeren Passagierboote gibt es ab fünf Euro. Auf jeden Fall auf die Angebotstafeln der einzelnen Anbieter achten. 

Das Wasserdorf Giethoorn ist eine einzigartige Sehenswürdigkeit. Wer in der Woche kommt, kann damit rechnen, dass kleine Örtchen fast für sich alleine zu haben. 

  

Gemächlich geht es auf den schmalen Wasserstraßen zu. „Mehr als sechs Stundenkilometer wird hier nicht gefahren“, erklärt uns Nick. „Wir leben inmitten eines Naturschutzgebiets und unsere Kanäle sind zwischen dreieinhalb und secheinhalb Meter breit.   

So tuckern im "Flüsterton" Einheimische wie Touristen gesittet hintereinander. Und nur im Uhrzeigersinn. „Damit es in unseren kleinen Grachten nicht zu Unpässlichkeiten kommt, haben wir ein Einbahnwasserstraßensystem“, weiß unser Bootsführer Nick, der nicht müde wird uns mit Anekdoten und Geschichten zu verwöhnen, die zudem mit viel Humor und Wissenswertes gespickt sind.  So weiß er auch, welche der liebevoll restaurierten Bauernkaten zum Verkauf stehen. „Die wenigen Häuser, die käuflich zu erwerben sind, liegen zwischen 375.000 und 650.000 Euro. Dafür hätten Sie dann aber auch ihre eigene Insel“, schmunzelt Nick, während er uns in seinem Rundfahrtboot auf den offenen See fährt.

Und was macht er in den Wintern, in denen kaum Touristen kommen, gar eine Grachten- und Seerundhfahrt unternehmen? "Ich mache das, was ein echter Giethoorner machen muss", erklärt uns Nick mit Stolz. "Mit anderen Einwohnern schneide ich das Schilf, welches wir für unsere Dächer benötigen." 

Nach solchen Informationen tut die frische Brise auf dem offenen Gewässer gut, und wir begreifen ein bisschen, warum Nick so an seiner Heimat hängt: Rechts und links des Sees, an den weitläufigen Ufern, wächst das Rohrschilf, das er und andere Einheimische demnächst schneiden werden. „Jedes Jahr  ernten wir dieses Schilf, da es später zu dick würde und so für unsere Häuser unbrauchbar“, erzählt uns der Bootsführer und wird für einen kurzen Moment fast melancholisch. „In verregneten Sommern haben wir ein echtes Problem, da ein schlecht gewachsenes, nicht ausgereiftes Schilf  unbrauchbar wäre.“

Während unser Boot fast lautlos über den See gleitet, sehen wir Fischreiher und Weißstörche, die hier ein nahezu ungestörtes Leben führen. Das größte geschlossene Flachmoorgebiet Westeuropas beherbergt hier seltene Wasser- und Sumpfpflanzen, die mit Insekten, Vögeln und Wasservögeln ein harmonisches Dasein in intakter Natur führen. In den Gewässern von Weerribben-Wieden schwimmen Fische, wie Aal, Zander und Rotauge. "Den Aal angeln wir nicht, da er unter Schutz steht", erklärt uns Nick, der wieder zu seinem niederländischen Humor zurückgefunden hat.  

Nach gut einer Stunde erreichen wir mit ihm  wieder unseren Ausgangspunkt am Restaurant  Achterhuis, direkt am Ortseingang. Die Verabschiedung ist herzlich und ein gut gefülltes Trinkgeldschweinchen zeugt von der Zufriedenheit der Gäste. Für jeden seiner Besucher hat Nick ein freundliches Abschiedswort, bevor er für diesen Tag zu seiner letzten Tour startet.

So viel frische Luft und Wasser machen natürlich hungrig. Und gegen 17 Uhr ist es auch eine gute Zeit, sich um das leibliche Wohl zu kümmern. Immerhin sind wir schon den ganzen Tag unterwegs. Es gibt eine Reihe verschiedener Lokalitäten: Von der typisch niederländischen Frittenbude, übers Café bis hin zum Restaurant, sollte hier jeder sein lukullisches Ambiente finden. Das Preis-Leistungsniveau ist adäquat, die Bedienung überall freundlich und hilfsbereit.

Für Kinder ist Giethoorn ein Paradies, wenn im Sommer der nur bis 1,20 Meter tiefe See erwärmt ist und die Kids in einem der Stechkahnbooten über das Wasser gleiten dürfen.

 

Als Filmdorf berühmt geworden

Eine Lokalität zeichnet sich in Giethoorn jedoch besonders aus: Die urige Gastwirtschaft „Fanfare.“ Im Jahre 1958 drehte hier der Regisseur Bert Haanstra den Spielfilm "Fanfare" über zwei revalisierende Blaskapellen. Die Geschichte ist fiktiv, der Ort auch. Um aber eine geeignete Location zu wählen, entschied man sich für Giethoorn. Und für das danach benannte Lokal. Das war der Zeitpunkt, als das kleine Wasserdorf endgültig aus seinem langjährigen Dornröschenschlaf erweckt wurde. Die ersten Touristen zog es an den kleinen Ort. Egbert Groen, der über 24 Jahre lang das „Fanfare“ leitete, erinnert sich an den Tag, an dem eine Filmcrew in das bis dahin unbekannte Giethoorn regelrecht einfiel. „Über viele Wochen wurden wir hier quasi von über 60 Filmleuten belagert. Das war eine sehr aufregende Zeit.“ Noch heute erinnern zahlreiche Fotos an die Ära, als hier ein romantischer Film entstand. Eine Statue zu Ehren des niederländischen Regisseurs zeigt von dem Stolz der Bewohner Giethoorn, dass ausgerechnet ihr kleines Dorf für angemessen galt.

Mittlerweile ist die urige Kneipe vollgefüllt von Straßen-und Fahrzeugschildern aus allen Herren Länder. Fotos und Souvenirs schmücken die gemütlich urig eingerichtete Stube, in der es sich gut essen und trinken läßt, wie auch in den anderen Kneipen und Restaurants.  

 

Dienten die Boote in der Vergangenheit der Bauern, so schippern heute Touristen durch die Kanäle und staunen über die immer noch intakten Segelpünter der Einheimischen. 

 

Ein lauer Frühsommerabend legt sich über Giethoorn. Die letzten Tagestouristen verlassen mit  ihren Autos und gebuchten Reisebussen das kleine Wasserdorf. Bis auf einige Feriengäste sind die Einheimischen nun wieder unter sich. Die Vögel stimmen ihren „Gute-Nacht-Ruf“ an, Katzen räkeln sich in der Spätabendsonne und haschen nach Schmetterlingen. Irgendwo bellt ein Hund, mehr einem zufriedenen Grumpflaut ähnelnd.   

Mittlerweile hat auch Bootsführer Nick Altena sein Boot "fest gemacht." Feierabend heißt es für ihn und sein Ausflugsboot. Zu Hause, hier irgendwo inmmiten des Wasserdorfs, warten seine Frau und seine 21-Jährige Tochter. 

Auf den perfekt gepflegten Inselgärten, auf dem jedes Häuschen seinen Platz hat, scheinen warme Lichter aus den Wohnstuben hinaus auf die kleinen Grachten. Ruhe kehrt ein in Giethoorn, bevor am nächsten Tag wieder die ersten Tagestouristen kommen, um dieses Idyll für sich zu entdecken.  Und Nick einmal mehr seinen Gästen mit Stolz "sein" Giethoorn zeigt. "Einfach märchenhaft", sagen auch wir, nachdem unser Bus in die letzte Kurve fährt und das kleine Dörfchen am und im Wasser endgültig hinter sich lässt. 

Wer nach Giethoorn kommt, dem sei auch ein Besuch im dorfeigenen Museumshaus empfohlen. Das restaurierte, ursprüngliche Bauernhaus zeigt Interessierten Wohn- und Arbeitsbedingungen von vor über180 Jahren.

 

  

Text und Fotos unterliegen dem Copyright Simone Brockes

www.simone-brockes.de  

 

Giethoorn in Zahlen und Fakten:

  • Das Wasserdorf Giethoorn ist etwa sieben Kilometer lang und zwei Kilometer breit.
  • Es liegt im Herzen des Naturschutzgebiet "De Wieden", im Gebiet Overijssel.
  • "De Wieden" grenzt unmittelbar an ein weiteres Naturschutzgebiet "De Weerribben."
  • "De Weerribben" umfasst rund 100 Quadratkilometer.
  • Gemeinsam bilden diese beiden Naturschutzgebiete eines der wichtigsten Feuchtgebiete Europas.
  • Die kleinen Elektroboote (Flüsterboote), können für zirka 15 Euro pro Stunde gemietet werden. Ein Tag kostet um die 60 Euro. Die Gäste erhalten einen Plan, auf denen sie verschiedene Wasserrouten befahren können.
  • Eine Bootsfahrt mit einem der größeren Rundfahrtschiffen mit Führung, dauert etwa eine Stunde. Je nach Anbieter und Größe der Gruppe, werden fünf bis sechs Euro berechnet.
  • Die Giethoorner Kanäle sind zwischen dreieinhalb und sechseinhalb Meter breit.

 

Das Pressebüro PR & MORE, SIMONE BROCKES, bedankt sich für die gute Kooperation mit dem Reisebüro LÜNGEN in Mönchengladbach-Rheydt.

www.luengen-reisen.de

 

  

INFORMATIONEN:   

 

Touristenbüro Giethoorn: 

E-Mail:  giethoorn@hetWaterReijk.nl

 

ANREISE:

 

Mit dem Flugzeug:

  • Amsterdam Airport Schiphol
  • Rotterdam The Hague Airport
  • Eindhoven Airport
  • Groningen Airport Eelde
  • Maastricht Aachen Airport

 

Mit der Fähre:

Durch die unmittelbare Lage an der Nordsee ist Holland sehr gut auf dem Seeweg zu erreichen. Von verschiedenen Orten in Großbritannien, Irland und Skandinavien gibt es direkte Fährverbindungen zu den Häfen „Hoek van Holland“ und “IJmuiden“. Hoek van Holland liegt bei Rotterdam und IJmuiden befindet sich eine halbe Autostunde von Amsterdam entfernt.

 

Mit dem Zug:

Die Niederlande sind aus vielen Städten Europas problemlos mit dem Hochgeschwindigkeitszug zu erreichen. Aus Köln fährt ein direkter ICE nach Amsterdam. Auch aus vielen anderen Städten kommt man schnell und bequem mit dem Zug ans Ziel.

Bahnhöfe in den Niederlanden:

Für internationale Strecken sind die Hauptbahnhöfe Amsterdam Centraal und Utrecht Centraal, die wichtigsten Haltestellen. Von dort aus können die endgültigen Reiseziele mit Regionalzügen, Bus oder Mietwagen erreicht werden.

 

Mit dem Auto:

Die Niederlande sind ideal zum Autofahren. Die Straßen befinden sich in ausgezeichnetem Zustand und Straßenmarkierungen und -schilder sorgen für Übersichtlichkeit. Giethoorn liegt zirka 110 Kilometer Nord-östlich von Amsterdam entfernt, oberhalb von Zwolle.

Die Höchstgeschwindigkeit auf den nationalen Schnellstraßen liegt  zwischen 100 und 130 km/h. Innerorts liegt die Geschwindigkeitsbegrenzung bei 50 km/h bzw. in manchen Fällen bei 80 km/h.

 

 

 

Rund 150 kleine Brücken verbinden die einzelnen Insel-Grundstücke mit dem schmalen Hauptweg (rechts). Für Touristen stehen bis zu 450 Boote zum Verleih bereit. Wohl die schönste Art und Weise Giethoorn zu entdecken. 

 

 Unsere Buchtipps:

 

Als Deutsche unter Holländern 

Sie sind vernarrt in Frittiertes, züchten die schönsten Tulpen (und wässrigsten Tomaten) der Welt - und lieben nichts mehr als Urlaub im Wohnwagen. Annette Birschel lebt seit über zehn Jahren im Land der Kaufleute und Pfarrer. In ihrem Buch gibt sie Antworten auf Fragen, die uns Deutsche seit jeher beschäftigen: Warum hassen Holländer Gardinen? Schmecken Bitterballen wirklich bitter? Und wieso muss im Oranje-Land immerzu alles lekker, leuk und makkelijk* sein? Eine überfällige Bestandsaufnahme unseres sympathischen Nachbarn im Westen - mit Humor und feinsinnigem Spott erzählt. 

 

"Mordsgouda" zeigt eine ganz neue Seite unserer sympathischen Nachbarn. 

* übersetzt etwa: toll, lustig und unkompliziert.

 

Autor: Annette Birschel

Titel: Mordsgouda / Als Deutsche unter Holländern

Verlag: Ullstein

284 Seiten, Taschenbuch

Preis: 8,99 Euro, ISBN: 978-3-548-28201-5

 

 

Kleines Land mit großer Wirkung 

Nach ihrem Romanistikstudium träumt Kerstin Schweighöfer von Champagner und einem romantischen Tête-à-Tête mit einem Jean-Irgendwas. Doch wie immer hat das Leben einen anderen Plan, und Kerstin trifft Jan-Kees, bei dem einfach alles stimmt – außer der Nationalität. Jan-Kees kommt aus Holland. Kiffer, Kühe, Tulpen und Tomaten. Soll das ihr großes Los gewesen sein? Oder können Holländer doch mehr, als deutsche Autobahnen verstopfen? Ein Buch für alle, die bereit sind, unser oft belächeltes Nachbarland neu zu entdecken – und für eine Dose Heineken den Champagner schon mal stehen lassen.  

"Auf Heineken könn wir uns eineken" ist eine tolle Landeskunde im unterhaltsamen Stil.

 

Autor: Kerstin Schweighöfer

Titel: Auf Heineken könn wir uns eineken / Mein fabelhaftes Leben zwsichen Kiffern und Kalvinisten

Verlag: Piper

352 Seiten, Kartoniert

Preis: 9,99 Euro, ISBN: 978-3-492-27292-6 

 

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