Blick auf den Bolsenasee vom romantischen Örtchen Marta aus gesehen

 

 

Unbekanntes Latium / Zu Besuch am Bolsenasee

Wo die Seele Urlaub macht und die Sinne verwöhnt werden

Die Toskana kennt fast jeder, ebenso Italiens Hauptstadt Rom. Doch wer ahnt, dass sich zwischen der Zypressenlandschaft und dem Papstsitz eine traumhaft schöne Landschaft „versteckt“ – Latium? Das an den Hängen eines Ausläufers der Monti Volsini gelegene und zum Teil der Uferniederung zustrebende Bolsena erstreckt sich am Nordostufer des gleichnamigen Sees 350 Meter über dem Meeresspiegel. Der gleichnamige See, der mit 114 Quadratkilometern den größten Vulkansee Europas darstellt, entstand vor Hundertausenden von Jahren. Mit seinen beiden Inseln Maratana und Bisentina lädt der Süßwassersee in den Sommermonaten zum Schwimmen, Segeln und Surfen ein. Lauschige Buchten, die nur schwer einzusehen sind, erreicht man in der Regel nur mit einem Boot. Die Landschaft wird geprägt von uralten Kastanien- und Eichenwälder, duftenden Pinienbaumalleen, geschwungene Weinbergen, romantischen Gärten und mittelalterliche sowie etruskische Städte und Dörfer. Hier mag man auf Entdeckungsreise gehen, um die Schönheiten und Geheimnisse dieses Landstrichs zu erkunden.Luxushotels findet man in der Tuscia nicht. Hier verbringt der Gast seine Ferien in urigen Häusern, romantischen Unterkünfte, die nicht jeder kennt. Bauernhäuser werden eigens dafür renoviert und komfortabel eingerichtet. Massentourismus ist tabu.  

  

Für Individualisten und Naturfreunde 

Am Südufer des Lago di Bolsena mit den Fischerstädtchen Marta und Capodimonte, findet man die Ursprünglichkeit des Landes und die unglaubliche Herzlichkeit der Italiener. Fischfang, Landwirtschaft, Weinanbau und die Produktion von Olivenöl sind die Haupteinnahmequellen, wobei das Öl und der Wein zu den Produkten gehören, die weit über die Grenzen Italiens exportiert werden.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herzlichkeit auf italienische Art

Überall und jederzeit sind die Einheimischen zu einem Schwätzchen bereit, aber bitte nur in italienischer Sprache. Denn hier ist noch nichts eingedeutscht, so auch nicht die umfangreichen Speisekarten mit ihren zahlreichen Fisch- und Fleischspezialitäten. Italienische Lebensart, wohin man schaut. Gugliano erklärt gerne und ausführlich die Aufzucht der im Bolsenasee lebenden Fische und Signor Bruno Battaglini weiht in die Geheimnisse des kaltgepressten Olivenöls ein, während Teresa und ihre Familie den Besuchern gerne ihre Türen öffnet und einfache, dennoch raffinierte Gerichte serviert; selbstverständlich alles vom eigenen Feld, frisch geerntet.

Berühmt ist das traditionelle Blumenfest „Infiorata“, das jedes Jahr anlässlich des Fronleichnamfestes in Bolsena gefeiert wird. Die Straßen verwandeln sich an diesem Tag in einmalig schöne Blumenteppiche. Viele Helfer sammeln zuerst die Blumen, entwerfen die Schmuckmotive und führen sie in mühsamer Arbeit aus. Für die Blumenteppiche werden vorwiegend die Blüten von Ginster, Klatschmohn, Kornblumen, Hundsrosen, Klee, Disteln, Wicken und Farne verwendet. Aber auch einige Körnersorten finden ihre Verwendung. Das verträumte Städtchen Montefiascone, das sich auf fast 600 Meter Höhe erhebt, ist vor allen Dingen bekannt durch seinen berühmten Wein „Est! Est!! Est!!!. In der alten mittelalterlichen Burg lohnt sich vor allem der Besuch des Doms von Santa Margherita aus dem XV. Jahrhundert, die Rocca, die Kirche von Fas Flaviano als eindrucksvolles Beispiel romanischer Architektur.  

 

Das „dolce far niente“genießen

Auf keinen Fall sollte man es versäumen Civita di Bagnoregio, die „sterbende Stadt“ zu besuchen. Der Anblick von oben ist einzigartig. Das Tor, einziger Zugang zur Stadt, hält die Erinnerung an die siegreichen Schlachten der Einwohner gegen die Monadeschi della Cervara wach. Durch unaufhaltsamen Erosionsprozess, der die Ränder der auf lehmigem Boden ruhenden Tuffwänden einstürzen ließ und im Laufe der Jahrhunderte einen riesigen Abgrund schuf, wurde Civita praktisch abgeschnitten und liegt heute isoliert auf einer Anhöhe. Man erreicht den Ort zu Fuß über eine 300 Meter lange Hängebrücke.Ein Ferienaufenthalt rund um den Bolsenasee ist ein Erlebnis der besonderen Art. Ob man sich nun sportlich betätigt, einen Koch- oder Malkurs besucht, mit dem Mountainbike oder dem Pferd die Landschaft erkundet oder einfach das „dolce far niente“ genießt, Stress und Hektik sind auf jeden Fall schnell vergessen. Latium ist ein Landstrich, der die Sinne berührt und die Seele streichelt. Wer einmal dort war, möchte wieder zurückkehren.

 

Latium a tavola: So isst man am Bolsenasee

Wer kennt sie nicht, die schönen Dinge aus Italien: die Freundlichkeit und die Lebenslust seiner Bewohner, die an Kunstschätzen überreichen Städte und natürlich die Spezialitäten einer von regionalen Traditionen geprägten Küche? Wenn am Bolsenasee die Rede von Essen und Trinken ist, nehmen die weithin geschätzten und geschmackvollen Süßwasserfische einen Ehrenplatz ein. Hierbei handelt es sich um Aale, Blaufelchen, Flussbarsche, Schleien, Hechte, Ährenfische, Weißfische, Großköpfe und Forellen. Das bekannteste und typischste Fischgericht am Lago di Bolsena ist die „sborscia“, eine Fischsuppe, bei der Schleie, Hecht, Aal und Flussbarsch zusammen mit Kartoffelscheiben, Zwiebeln und Minze gekocht und mit Olivenöl, Salz und scharfer Paprikaschote gewürzt werden. Als eine weitere Delikatesse gilt in Bolsena die Schleiesuppe mit kleinen Bandnudeln und Erbsen. Blaufelchen wiederum schmecken vorzüglich vom Grill oder gekocht mit grüner Soße. Neben Fisch spielen die Fleischgerichte eine wichtige Rolle in der einheimischen Küche. Vor allem Schweinefleisch, das auf viele verschiedene Arten zubereitet wird: Würstchen, Schnitzel, Kotletts, am Spieß gebratene Schweinsleber, Schinken und das berühmte, mit Fenchel gewürzte, Spanferkel. Beliebt ist auch Lammbraten vom Grill. Vom Rind hingegen werden die Innereien bevorzugt. Saftige Kaninchen und knusprig gebratene Täubchen stellen weitere Gaumenfreuden dar. Natürlich wird alles mit feinstem kaltgepressten Olivenöl gekocht bzw. gebraten.  

 

Bei diesem Anblick läuft einem doch so das Wasser im Munde zusammen.

 

Auf den Hügeln des Bolsenasees, in etwa 400 Meter Höhe, erstreckt sich das Landgut Bruno Battaglini. Die Azienda Battaglini schöpft aus der Erfahrung von drei Generationen, sowohl bei der Herstellung von Olivenöl als auch beim Anbau der typischen Olivensorten „moraiolo“, „caninese“, frantoio“. Die Oliven werden von Hand gepflückt und innerhalb von 24 Stunden kalt gepresst (Höchsttemperatur 28° C.). So bleiben die natürlichen Substanzen der frischen Oliven erhalten.Aber auch Gemüsefreunde kommen hier auf ihre Kosten. Reichlich wachsen rund um den Bolsenasee Zucchini, Möhren, Mangold, Bohnen, rote Beete, Tomaten, Wirsing, Sellerie und vieles andere mehr. Mit dem frischen Gemüse lassen sich im Sommer köstliche Suppen mit Zucchini oder Bohnenkerne herstellen. Oder Rohkostsalate in allen möglichen Variationen. Beliebt sind Dipps aus Öl, Pfeffer und Salz oder mit wilden Kräutern. Im Winter bietet die einheimische Küche vorwiegend Hülsenfrüchte: Bohnen, Kichererbsen, Linsen und dicke Bohnen, die für deftige und geschmackvolle Eintöpfe und Nudelsuppen verwendet werden. Fast hätten wir den wichtigsten Gang vergessen: die Antipasti, die die ausgedehnte Mahlzeit einleiten. Diese appetitanregenden Vorspeisen sind ebenso vielfältig wie die übrige Küche. Großer Beliebtheit erfreuen sich jedoch die Bruschette, geröstete Brotschnitten mit variablen Zutaten: Knoblauch, Öl und Salz, Tomate und Basilikum, Leberpastete, Oliven- und Artischockencrême.Sehr rustikal und ausgezeichnet sind in dieser Gegend Gebäck und Süßspeisen, wie „tozzetti“ und Makkaroni mit Nüssen, ein süßes Gericht, das an Heiligabend auch als erster Gang serviert wird. Nicht zu vergessen die große Vielfalt der Kuchen, Torten und Törtchen. Zu jedem typischen Gericht wird der passende Wein gereicht. Gerne darf es der bekannte EST! EST!! EST!! aus Montefiascone sein, der trocken oder lieblich sein kann, bis zu den kräftigen Weinen aus verschiedenen Rebsorten, die an den Hängen aus der Colli Volsini gedeihen, vom roten Cannaiola di Marta bis zum Aleatico, einem aromatischen Süßwein aus Gradoli.Damit die üppigen Speisen auch gut verdaut werden können, empfiehlt es sich zum abschließenden Café einen Grappa zu trinken oder den berühmten „Limonicello“ zu verkosten. Dieser Zitronenschnaps schmeckt natürlich am besten selbst gemacht; aus frischen Zitrusfrüchten, Wasser, Alkohol und Zucker. Anschließend lässt man diesen zirka 10 Tage ziehen, bis er sich zum Trinkgenuss eignet. Dieser süße Schnaps wird eiskalt serviert.Die Menschen pflegen eine einfache Küche, die aber ungemein schmackhaft ist und voller Aroma steckt. Allein für diese regionale Kochkunst lohnt ein Abstecher in die Tuscia.Übrigens:In Italien muss man in jedem Restaurant und in jeder Pizzeria einen Pauschalpreis für den Platz und das Brot auf dem Tisch bezahlen. Pane e coperto heißt das. Das findet sich auf jeder Rechnung und wird pro Kopf berechnet.

Segelschiffe liegen vor Capodimonte 

 

 

Die Legende des Weines EST! EST!! EST!!!

Ein Kenner des Latium ist der bekannte Autor Hans Kühner. In seinem Buch „Latium, Land im Schatten Roms“, erzählt er die Legende wie der Wein zu seinem Namen kam:

ZITAT ANFANG:Im Steinboden von San Flaviano liegt ein anderer Genießer begraben. Die Füße der Gläubigen, die in Jahrhunderten über die Grabplatte hinweggeschritten sind, haben die Züge der liegenden Figur und die Umschrift verwischt. Heute achtet man darauf, dass kein weitere Schaden mehr geschieht, und so hat der unter Platte ruhende brave Augsburger Falstaff aus dem Hause der Fugger, der sein Prälatendasein dionysisch verstand, schloss sich im Jahre 1111 dem Zuge Kaiser Heinrich V. nach Rom an – weniger um sich sachkundig mit dem deutschen Investiturstreit zu beschäftigen, als um die italienischen Weine zu kosten. Seinem Diener Martin oblag es, ihm stets eine Tagesreise vorauszureiten und alle Osterien, deren Weine seines Herren würdig waren, mit dem lateinischen EST – „hier ist er“ – zu bezeichnen.Als er nach Montefiascone kam, und als Gipfel aller Weine, den Mukateller vom See schlürfte, schrieb er an die Tür der Osteria, wo er ihn entdeckt hatte, dreimal EST EST EST. Fugger, dem bereits der Name der Stadt, Flaschenberg, von glückverheißender Vorbedeutung war, entschloss sich daraufhin, den Kaiser sich mit Pabst Paschalis II. allein auseinandersetzen zu lassen und sich nur noch dem vertieften Studium des Muskatellers zu widmen. Er hat den Bacchusdienst mit dem Leben bezahlt. Seinen Besitz überließ er der Stadt, die ihm alle Entzückungen des Weines geschenkt hatte, und stellt nur die Bedingung, es müsse ihm ein Weinfass in das Grab von San Flaviano mitgegeben werden. Sein humorvoller Diener hat ihm die Grabschrift gesetzt: „EST EST EST – wegen allzu vielem EST ist mein Gebieter Johannes Fugger hier gestorben.“ Der köstliche Wein hat den Namen EST EST EST behalten. ZITAT ENDE

 

Bolsena und Montefiascone  

In Serpentinen schraubt sich die Straße von „Orvieto“ den Hügelzug der Monti Volsinii hinauf, vorbei an Getreidefeldern und Ginsterhecken. Unerwartet öffnet sich die Aussicht auf den Vulkansee „Lago di Bolsena“ In „Bolsena“ (4.100 Einwohner), bietet sich der beste Blick von der majestätischen „Rocca Monaldeschi“ (13. Jahrhundert), die zudem eine archäologische Sammlung zeigt. Die herrliche Kirche „Santa Cristina“ bewahrt unter einem anmutigen Ziborium aus dem 9. Jahrhundert den Basaltstein mit den Fußabdrücken der heiligen Christina: Die Christin, die zur Zeit Kaiser Diokletians lebte, war zum Märtyrertod durch Ertränken verurteilt. Ein Basaltstein sollte sie in die Tiefe des Lagos ziehen – doch blieb er an der Wasseroberfläche und brachte Christina ans Ufer zurück. Dabei drückten sich ihre Füße in den Basalt, der später als Altarstein aufgestellt wurde. Knappe tausend Jahre später fand an diesem Altartisch das Eucharistiewunder von „Bolsena“ statt.

Die gewaltige Kuppel des Domes „Santa Margherita“, die Carlo Fontana im 17. Jahrhundert erbaute, weist den Weg nach „Montefiascone“ (4.100 Einwohner). Doch ist nicht der Dom, sondern die romantische Doppelkirche „San Flaviano“ mit ihrer ungewöhnlichen architektonischen Konstruktion die größte Sehenswürdigkeit des Ortes. 

 

Civita di Bagnoregio

Ein Besuch in der „sterbenden Stadt“

An der Grenze zu Umbrien und Latium (Tuscia), hängt sie im fast leeren Raum zwischen dem Tiber und dem Bolsenasee – die Civita di Bagnoregio auch als „sterbende Stadt“ bekannt.sie erhebt sich auf dem Tuffsteinhügel und ist eine Insel in der Mitte der gegliederten Mulde. Sie erhebt sich auf dem Tuffsteinhügel und ist eine Insel in der Mitte der gegliederten Mulde. Das Dorf ruht auf einem Tuffkegel auf tonerdigem Untergrund. Das Wasser und der Ton schaden Civita mehr als das Erdbeben, das 1695 die Stadt dem Erdboden gleich machte. Von Jahr zu Jahr bröckelt die weiche Tonerde mehr ab.Der Aufstieg über die 300 Meter lange Hängebrücke ist besonders bei extremer Hitze beschwerlich. Aber die Mühe lohnt sich. Man betritt die Stadt durch das einzige Tor, die Porta Maria. Kaum das man eingetreten ist, fühlt man sich um Tausend Jahre zurück versetzt. Im Zentrum kann eine alte Ölmühle besichtigt werden, in der man auch urig sitzen und ausspannen kann, bei Wein und einigen kleinen, kulinarischen Genüssen. Jedes Jahr werden in „Civita di Bagnoregio“ verschiedene Feste organisiert: das „Tonna“, das Eselrennen mit dem Rennreiter im Juli, „Civiz `arte“ und zu Weihnachten die traditionelle lebende Krippe.Nach einem ausgedehnten Rundgang und dem Abstieg über die Hängebrücke mit einem atemberaubenden Blick in das weite Tal, empfiehlt sich ein Besuch in „Hosteria del Ponte“, direkt am Parkplatz. Die Bedienung ist freundlich und die „Ravioli tartuffo“ gefüllte Ravioli mit frisch, geraspeltem Trüffel, sind einfach ein Gedicht. Aber auch der Vorspeisenteller mit Melone, Schinken und süßen Feigen ist unbedingt eine kulinarische Sünde wert. Dabei genießt man gerne die verschiedenen Brusccette. Der ideale Zeitpunkt eines Besuchs in Civita ist der frühe Abend. Dann taucht die alte etruskische Stadt in die rote Glut der Sonne ein.  

 

Infos rund um den Bolsenasee sowie Ferienhäuser und Hotels unter:

http://www.bolsena.info  

 

 

                                                                Text und Fotos: ©               Simone Brockes

                                                        www.presseagentur-brockes.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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